Work-life-Balance verbessern mit den fünf Säulen der Identität

Resiliente Menschen können sich sehr gut selbst reflektieren, haben Ziele und machen Pläne für die Zukunft. Heute biete ich dir eine einfache Möglichkeit an, dich selbst zu reflektieren. Vielleicht bekommst du anschließend Lust ein neues Ziel für dich zu formulieren und deine „Identitätssäulen“ wieder mehr in Balance zu bringen. Sind alle Säulen in Balance, fühlen wir uns zufrieden und ausgeglichen.

Schreiben: eine hervorragende Methode
seine Selbstwirksamkeit zu fördern

Tipp: Diese Übung schriftlich zu machen schafft wesentlich mehr Klarheit und sortiert deine Gedanken. Nimm‘ dir dazu genügend Zeit. Manchmal kommen erst nach einer Pause, einem Spaziergang, nach einigen Tagen die eigentlichen Gedanken und wahren Bedürfnisse an die Oberfläche. Merke: Deine Notizen sind nur für dich persönlich bestimmt.

Ich wünsche dir gutes Gelingen. Deine Fragen und Kommentare sind jederzeit willkommen.

Die fünf Säulen deiner Identität

„Wer bin ich? Was macht mich aus? Wo stehe ich gerade? Worüber definiere ich mich?“

Das „Haus der Identität“ stammt von Hilarion Gottfried Petzold (Dt. Psychologe und Begründer der Integrativen Therapie) und beschreibt die Grundbedürfnisse eines jeden Menschen. Hilarion Petzold geht davon aus, dass unsere Identität von fünf Säulen getragen wird, den sog. Identitätssäulen.*

Die folgende Übung ist eine sehr gute Möglichkeit, dir über deine aktuelle Situation bewusst zu werden. Herauszufinden, wo deine Ressourcen liegen, aber auch wo es möglicherweise gerade hapert. Es kann sein, dass dann der Wunsch aufkommt, Bereiche wieder in ein Gleichgewicht bringen zu wollen.

„Erst wenn klar ist, wo genau der Schuh drückt, können wir ihn anpassen.“ (Sandra Bethäuser)

Hast du Lust bekommen? Dann geht es jetzt los:

Reflektiere nun nacheinander alle fünf Bereiche mit Hilfe der folgenden Denkanstöße. Suche dir aus, mit welchem Bereich du starten möchtest. Lese dir die Fragen in Ruhe durch und lasse sie auf dich wirken. Schließe vielleicht die Augen und konzentriere dich einige Minuten auf deine Atmung. Notiere anschließend alle deine Gedanken und Gefühle unzensiert, also so wie sie dir in den Sinn kommen. Je ehrlicher du zu dir selbst bist, desto wirkungsvoller ist diese Coaching-Übung für dich. Merke: Deine Aufzeichnungen sind nur für dich persönlich bestimmt.

Körper und Gesundheit

Wie wohl fühlst du dich gerade in deiner Haut, in deinem Körper? Fühlst du dich morgens so, als könntest du Bäume ausreißen oder war die Nacht zu kurz? Hast du häufig (Kopf-/Rücken-) Schmerzen? Spürst du vielleicht andere Blockaden an einer bestimmten Stelle deines Körper? Wie schätzt du dein Immunsystem ein? Wie beweglich, reaktionsschnell bist du? Kannst du alle nötigen Bewegungen problemlos durchführen, um deine Tätigkeiten zu erledigen? Um deinen Hobbies nachzugehen und auch deine Sexualität zu genießen?

Beziehungen & soziale Kontakte

Hast du einen Menschen, der dich genauso annimmt, wie du bist? Dem du dich ganz öffnen und anvertrauen kannst? Schenkt dir dein Partner- und/oder eine Freundschaft genügend Energie und Kraft in deinem Leben? Welche Menschen zaubern dir regelmäßig ein Lächeln ins Gesicht?

Fühlst du dich einsam, unverstanden oder sogar ausgenutzt? Kannst du gut alleine sein? Sehnst du dich nach Nähe, nach mehr Geborgenheit? Gibt es Menschen in deinem Umfeld, die an dir zerren und dich enorm viel Zeit und Nerven kosten? Wie gut ist dein Verhältnis zu deinen Vorgesetzten und Kollegen? Bestehen vielleicht ungelöste Konflikte oder Dinge, die längst gesagt werden sollten?

Beruf, Arbeit, Leistung

Wie sehr füllt dich deine Tätigkeit aus? Was motiviert dich, dieser Tätigkeit nachzugehen, deine Leistung zu bringen? Die Freude am Tun, die Liebe zu einem Menschen oder überwiegend Pflichtgefühl? Inwiefern macht das, was du beruflich und privat tust, einen Sinn für dich? Bist du in deinem Wirken erfolgreich? Entspricht deine momentane Tätigkeit im Großen und Ganzen dem, was du dir gewünscht hast?

Finanzen

Reicht dir das, was du hast und verdienst? Ist dein Einkommen hoch genug, um alle deine Bedürfnisse zu erfüllen? Weißt du, wie hoch deine Ausgaben sind? Sorgst du für deinen Ruhestand vor? Wie ist eigentlich deine Einstellung zu Geld, zu Wohlstand? Etwas das dir selbstverständlich zusteht? Etwas, das man sich hart erarbeiten muss oder etwas Unerreichbares? Was bedeutet Wohlstand für dich? Wie wohlhabend bist du?

Sinn, Werte, Normen

Was gibt dir Sinn? Deine Arbeit, dein Hobby, deine Beziehung(en), deine Familie? Was findest du sinnvoll? Tust du genügend Sinnvolles? Für welche Werte stehst du im Leben? Was sind deine religiösen und politischen Überzeugungen? Wie lautet deine Lebensphilosophie? Wie lebst du das, woran du glaubst?

Wie du deine Säulen bewertest

Versuche nun jeden Bereich zu bewerten. Schaue dir deine Notizen noch einmal an und schreibe deine Einschätzung, deine subjektive Bewertung dazu. Wie voll ist die einzelne Säule gefüllt? Ist in einem Bereich alles bestens, vergibst du 100%. Bist du ziemlich zufrieden, könnte die Bewertung um die 80% liegen. Dein gefühlter Wert zählt.

Tipp: Bewerte bitte alle Bereiche, bevor du weiterliest. Mach‘ gegebenenfalls eine Pause. Lass‘ dir Zeit und bleibe ehrlich.

In die eigene Balance zu kommen ist ein Schlüssel zu mehr Zufriedenheit.

Dein Ergebnis: Wo liegen deine Ressourcen? Wo wünscht du Veränderung?

Prima! Jetzt hast du alle Bereiche nach deinem Empfinden bewertet. Sollten alle deine Säulen im Bereich zwischen 70 und 100 Prozent liegen: Herzlichen Glückwunsch! Du bist mit dir im Reinen und sehr zufrieden. Weiter so!

Wenn du dich wirklich intensiv mit den einzelnen Bereich beschäftigt hast, ist dir sicher aufgefallen, dass die jeweiligen Säulen sich auch gegenseitig beeinflussen. Das sowohl im positiven wie auch negativem Sinn. Ein Beispiel:

Die Säulen beeinflussen sich

Durchleben wir vielleicht gerade eine Trennung, wirkt sich das häufig auch ungünstig auf die Bereiche Gesundheit und Beruf/Leistung durch Gefühle wie Gleichgültigkeit, Gehenlassen, Schuldgefühle, Trauer, Angst, Verzweiflung in Form von Unkonzentriertheit, Leistungsabfall, starke Gewichtszu- oder abnahme, Konsum von Suchtmitteln, etc..

Oder: Nachdem sich Nicole von ihrem Partner getrennt hatte, blühte sie so richtig auf. Sie hatte erkannt, dass sie sich jahrelang ihre Beziehung „schön redete“, ihre Bemühungen einseitig waren und die Paartherapie auch keine Fortschritte erzielte. Obwohl die Erkenntnis zuerst schmerzte, fühlte sie sich bald sehr befreit.

Säulen mit 65% und weniger

Wenn es Säulen gibt, die du mit weniger als 60 bis 65 Prozent bewertet hast, ist das ein Hinweis darauf, dass hier eine Disbalance vorliegt. Sehr niedrige Werte deuten sogar auf eine Krise hin. Diese können temporär sein und überwunden werden, es kann daraus aber auch eine echte Identitätskrise entstehen (z. B. bei langer Arbeitslosigkeit, Burn-out).

!!! Wichtiger Hinweis: Wer hohe Disbalancen in seinen Säulen hat, sollte sich im ersten Schritt an eine Person seines Vertrauens wenden. Ist es nicht möglich, diese Disbalance aus eigener Kraft, mit einer Vertrauensperson oder vielleicht auch mit einem Coach zu überwinden, sollte man sich im eigensten Interesse der Gesundheit an einen Arzt, respektive Therapeuten wenden.

Möchtest du Säulen füllen?

Du hast jetzt einen Überblick über deine aktuelle Situation gewonnen und weißt nun, um welche Bereiche du dich künftig verstärkt kümmern könntest, um wieder besser in Balance zu kommen.

Mir geht es hier nicht um Selbstoptimierung, sondern darum aufzuzeigen, dass wir sehr wohl Einfluss auf unsere Zufriedenheit und unsere Gesundheit (physisch & psychisch) nehmen können. Ich halte es für eine wichtige Aufgabe, dass wir lernen, dass wir uns darum kümmern dürfen. Es ist unser Leben, unsere Gesundheit und somit unsere eigene Verantwortung. Denn kein anderer kann das für uns übernehmen.

Sandra Bethäuser

Dann mache aus deinen Wünschen Ziele!

Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, dir für einen Bereich, in dem du dir mehr Ausgeglichenheit wünscht, ein Ziel zu definieren. Dieses sollte unbedingt positiv und konkret formuliert sein. Also statt: „Ich möchte nicht mehr so viel Zeit mit Social Media verschwenden.“ Besser so: „Ich verbringe heute maximal eine halbe Stunde Zeit auf Instagram und nutze die andere halbe Stunde für meine Ablage/Yoga/einen Spaziergang/ein Buch/ein Telefonat“, etc.

Wichtig bei einer Zielformulierung, die eine gute Chance auf Erfüllung haben soll, ist, dass du dir Termine, einen fixen Zeitpunkt setzt. Wenn es die Bedingungen erlauben, fängst du am besten sofort damit an. Klappt das nicht, ist auch folgende Formulierung hilfreich: „Wenn ich mich mit Social Media beschäftige, stelle ich mir die Uhr für 30 Minuten, damit ich anschließend die nächste halbe Stunde Spazieren gehe.“

Das sind sogenannte „Wenn…. dann…“-Formulierungen. Diese schaffen neue, positive Routinen und müssen zuerst bewusst eingeübt werden, bis sie in Fleisch und Blut übergehen.

Fazit

Menschen, die den Mut haben, sich selbst ehrlich zu reflektieren und sich dann darum kümmern, ihre Identitätssäulen zu füllen, sind langfristig zufriedener, ausgeglichener und gesünder. Wer sich im Leben Ziele setzt und diese verfolgt, stärkt seine Resilienz und Selbstwirksamkeit. Deshalb ist die ausführliche Betrachtung deiner fünf Säulen ein hilftreiches Tool auf deinem Weg zu mehr Balance und Lebenszufriedenheit.

Wir können nicht alles, was uns im Leben passiert beeinflussen, aber wir können lernen, wie wir mit den jeweiligen Begebenheiten konstruktiv umgehen, damit wir in naher Zukunft wieder einen höheren Füllstand der Säule(n) erreichen. Ich wünsche dir dabei viel Erfolg!

Wie hat dir diese Übung gefallen? Deine Fragen und dein Feedback sind jederzeit willkommen.

E-Mail: Sandra@coaching-kann.de

Als Coach und Resilienztrainerin unterstütze ich dich gerne dabei, mehr Zufriedenheit und eine gesunde Balance zu erlangen, deine Resilienz zu steigern und deine Ziele zu erreichen.

Fröhliche Herzensgrüße vom bezaubernden Bodensee sendet dir deine Sandra

*Quelle: unter anderem: Wikipedia

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